Den Pfad von Bill und seiner Softwarebude habe ich vor einiger Zeit verlassen. Komplett. Nicht, weil ich Bill doof finde. Aber ich hatte keine Lust mehr, auf die Basteleien mit ISA-Kartenverschiebe und so. Außerdem natürlich die ganze Nummer von wegen Erwachsensein und für Software auch bezahlen wollen. Also den echten Preis. Nicht die ein bis zwei Euro pro Programm oder Windows-Lizenz auf dem Kiewer Markt Petrivka (GoogleTranslate-Link) oder in Moskau auf dem Sawyolovskiy-Markt. Aber ganz ohne Windows geht es nicht. Auch nicht bei Steve.
Zuerst hat mir Parallels über die ersten Jahre Phantomschmerzen hinweggeholfen. Drucker ansprechen. Mit der fetzigen Fritz-Software (Made in Berlin) faxen. Geht alles spitzenmäßig mit Parallels. Allerdings halten die bei jedem Mac-Update die Hand auf. Vom Leoparden zum Schneeleoparden habe ich das noch mitgemacht. Beim Löwen aber nicht mehr. Der zehn Jahre alte Laserprinter wurde durch eine WiFi-fähige Maschine ersetzt und spricht jetzt alleine mit den Mac-Kisten (werden ja immer mehr in so einem Berliner Haushalt). Die Fritz-Software (Moabit, you know) läuft weiterhin nicht auf dem Mac und wurde durch ein MuFuGe* ersetzt. Brauche also kein Windows mehr.
Denkste! So leicht, lässt mich Redmond nicht los. Denn für eines der duftesten Programme auf Windows gibt es einfach keine Mac-Entsprechung: MP3Tag. Über die fetten Datenbanken von Amazon, freeDB, Discogs und so weiter die selbstgerippte CD-Sammlung rasch so benamsen, dass auch der schwerfällige Tanker iTunes damit klarkommt. Und vor allem die Funktion, über Textdateien lässig hunderte von Mp3s automatisch zu taggen. Verzweiflung!
Aber Pankow hilft sich. Von zwei Straßen weiter schickt mir mein persönlicher Admin den Tipp, Windows-Programme ohne Windows zu starten. Mit Wine. Ich so: Hä? Aber bevor er mir so einen hämischen ltmgtfy-Link schickt, habe ich das selbst erledigt. Und mit der wahnsinnig ausführlichen Anleitung von David Baumgold (bekam von mir auch Geld geflattrt) schafft sogar ein Kommandozeilen-DAU wie ich die Installation. Und es funktioniert! Ich bin schwer begeistert. Windows ohne Windows. Flippstevölligaus!
*Multifunktionsgerät (Auf dem Aufkleber steht aber gar nicht: Hergestellt in Sömmerda)
** Disclosure soll man als ehrenhafter Blogger ja immer schreiben. Also: Vor vielen, vielen Jahren habe ich mal drei Jahre für AVM gearbeitet.


Also als kommerzielle Alternativen kann ich dir die Kombi Song Seargent/MPFreaker empfehlen, damit halte ich jedenfalls meine iTunes Library in Schuss. Dann muss man nämlich überhaupt nichts mehr mit Windows am Hut haben, außer dir liegt bei MP3Tag eine ganz bestimmte Funktion am Herzen.
Weiterhin von vielen Absolut unterschätzt wird ja auch die Website alternativeto.net. Die wäre unter Umständen auch einen Versuch wert um eine Mac-Alternative für deinen Tag-Editor zu finden. Mir persönlich käme jedenfalls aus rein ästhetischen Gründen kein Bill mehr auf den Steve.
@martin Muss ich mal ausprobieren. Mir liegt tatsächlich das Taggen per Textdatei am Herzen. Mal ausprobieren, ob Deine Alternativen das können.